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Stand 20.6.2008

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Wenn Klienten sich „schlechter fühlen“

 


Lektion 8 


Normalerweise erleben Klienten durch EFT positive Wirkungen. Ab und zu berichten einzelne Klienten jedoch, dass sie sich „schlechter“ fühlen. Nachdem wir die übereinstimmenden Berichte haben, dass EFT normalerweise dazu führt, dass sich die Leute besser fühlen, stellt sich die Frage: Fühlen sich diese Klienten wirklich „schlechter“ — oder läuft da etwas ganz anderes ab?


Diese Lektion untersucht diese Frage, in dem sie einen aktuellen Fall unter die Lupe nimmt, von dem in der EFT-Email-Unterstützungs-Liste berichtet wurde. Wie sich herausstellt, weist das "sich schlechter fühlen" in der Regel den Weg zu tiefgreifenden Heilungschancen.

 

 

Hallo an alle,

 

Glenn Turner schreibt von einem Fall, wo ein Klient erstklassige Fortschritte zu machen scheint aber später berichtet, dass er sich „schlechter fühlt“. Das passiert nicht sehr oft, aber wenn es passiert, wird es oft missverstanden. Es erscheint dann als Problem, obwohl es in Wirklichkeit eine CHANCE darstellt - für beide, Klient und Anwender. Lesen Sie mehr...

 

Ich umarme euch, Gary

 

P.S. Auch wenn sich diese “schlechter fühlen”-Diskussion um emotionale Themen dreht, sind diese Gedanken auf körperliche Beschwerden genauso übertragbar.

 

 

Hi Gary,

 

hatte gerade ein Erlebnis mit einem alten Freund der Familie und wäre sehr dankbar, wenn Du mir dazu ein bisschen Feedback geben könntest. Dieser Mensch kam letzte Woche zu mir mit extremer Angst vor unendlich vielen Dingen – zu vielen! Er wusste nicht mal, wo er beginnen sollte. Am Ende sagte er, er fühle sich „schlechter“ als zuvor.

 

GARY: Hier ist der erste Hinweis darauf, warum Dein Freund sich vielleicht „schlechter“ fühlte. Er kam zu Dir mit "extremer Angst vor unendlich vielen Dingen – zu vielen! Er wusste nicht mal, wo er beginnen sollte." Er kommt bei Dir zur Tür herein mit einem ganzen Wald voller negativer Bäume. Üblicherweise haben diese Bäume erhebliche Wurzeln und dahinter stehen viele, viele verschiedene einzelne Ängste und Traumata und Schuldgefühle. Es ist nicht wahrscheinlich, dass Du sie alle in einer Sitzung lösen kannst. Es ist aber ziemlich wahrscheinlich, dass Du einige Probleme an der Oberfläche lösen kannst, wobei es den bedeutenderen Themen möglich wird, sich an die Oberfläche zu schieben.

 

GLENN: Ich habe einige sehr allgemeine Tapping-Runden gemacht, besonders eine für ”diese schwere, schwere Last" und er fühlte sich sehr viel besser, als er ging. Aß an diesem Abend zum ersten Mal seit einiger Zeit. Er aß - aber nicht viel, wegen Darmbeschwerden, die durch die Angst gekommen waren. Er dachte zunächst, es sei ein Wunder und offen gestanden, ich auch.

 

GARY: Das passiert oft bei allgemeinen Ängsten. Ein paar Runden EFT und die unmittelbaren Probleme verschwinden. Es erscheint oft wie ein Wunder. Jemand kommt ziemlich aufgeregt herein und nach einer kurzen Weile ist er ruhig und geht wieder seinen Geschäften nach.

 

Wenn die Aufregung zurückkommt (das ist bei allgemeinen Ängsten sehr wahrscheinlich) dann nicht deswegen, weil EFT "nicht funktioniert“ hat oder dafür verantwortlich wäre, dass sich Leute schlechter fühlen. Vielmehr deshalb, weil EFT einige Themen an der Oberfläche abgetragen hat. Dabei wurde es den grundlegenderen Themen möglich aus ihrem Versteck zu kommen. Der wahre Bösewicht (der immer schon da war) ist jetzt nach vorn und in den Mittelpunkt gerückt. Das ist KEIN PROBLEM. Es ist eine GELEGENHEIT und CHANCE!!! Endlich zeigt sich das wahre Thema und bettelt um EFT. An diesem Punkt kann es leicht passieren, dass man zurückweicht und das was passiert, missinterpretiert. Ein erfahrener EFT'ler aber wird innerlich einen Juchzer ausstoßen, weil das "Große" jetzt draußen ist und frei liegt.

 

GLENN: Dann aber, einige Tage später, ruft er mich an – sehr aufgeregt und will mich treffen. Wir treffen uns und es scheint ihm viel schlechter zu gehen. Das Klopfen scheint es schlechter gemacht zu haben. Ich mache mir meine Gedanken darüber, jedenfalls was ich gefühlt habe, war, dass er (mit hoher Wahrscheinlichkeit) das eigentlich wirkliche Ereignis unterdrückte: dass er es sich eingestehen und es anschauen müsste, dass er finanziell alles verloren hat, wofür er so hart gearbeitet hatte.

 

Und ich glaube, dass er das erst als Realität anerkennen konnte, als einige seiner anderen Bäume beseitigt waren. Er war sehr aufgebracht, als ihm das klar wurde und ich klopfte eine ziemlich lange Zeit dafür.

 

GARY: Da Du Dir darüber Gedanken gemacht hast: wir wissen nicht wirklich, wo ihn seine Gedanken hingeführt haben. Dennoch, Dein Gedanke, dass er die grösseren Themen nicht sehen konnte, bevor nicht andere Bäume entfernt waren, passt sehr gut zu dieser Beschreibung. Die "Wahrheit" bleibt unter allen möglichen Formen von schützenden Themen und mancherlei Rationalisierungen versteckt. Wenn wir zunächst diese überdeckenden Themen mit EFT behandeln, können wir endlich ein Kernthema bearbeiten, das bisher negative Auswirkungen auf sein Leben hatte. Deine Beschreibung sagt uns nicht, worin dieses Thema genau besteht, aber mit ein bisschen Geschick und detektivischer Arbeit sollte es ziemlich schnell hervorzubringen sein.

 

Das Ganze erinnert mich an einen Klienten, der vor einigen Jahren nach einer Auseinandersetzung mit seiner Freundin aufgeregt zu mir kam. Es war ein normaler Streit gewesen, die Wut darüber war typischerweise in ein oder zwei Runden EFT zu lösen. Trotzdem rührte sich die momentane Wut des Klienten nicht vom Fleck und er erzählte, er fühle sich "schlechter". Warum? Weil wir letztlich herausfanden, dass er sich zurückversetzt fühlte in Zeiten, als seine Mutter ihn durch Anschreien herabsetzte. Das wahre Thema war seine Mutter, nicht seine Freundin. Der Streit mit der Freundin hatte einfach das wahre Thema ausgelöst und er fühlte sich „schlechter“, bis wir das Mutter-Thema lösten (eine Anstrengung, dies sich nebenbei erwähnt über mehrere Sitzungen hinzog, weil es viele Aspekte gab).

 

GLENN: Ich ließ es gut sein. Er war immer noch aufgebracht aber halb schmunzelnd sagte er: vielleicht hat das alles sein Gutes.

 

GARY: Vielleicht hast Du hier ein Kernthema aufgedeckt und gelöst. Du wirst es erst wissen, wenn Du den Klienten wieder triffst und sehen kannst, wie gross seine Angst noch ist. Wenn er wiederkommt und von Angst berichtet, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit so ein, dass er NICHT auf Themen zu sprechen kommen wird, für die ihr als Ursache schon geklopft habt. Er wird neue Themen (Aspekte) ansprechen. Das ist sehr typisch für Fälle wie diese und natürlich ein glänzender Beweis dafür, dass EFT wunderbar funktioniert.

 

Dennoch nehmen Klienten ihren Fortschritt oft nicht wahr, weil sie sich immer noch Angst haben. Für sie ist ihre allgemeine Angst das Problem und nicht die einzelnen Teile davon. Ich schlage vor, dass Anwender es sich bei dieser Art von Problemen zur Angewohnheit machen, die Klienten immer wieder an die lange Liste der bereits gelösten Ereignisse zu erinnern, die auf dem Weg der Behandlung der umfassenden Angst aufgetaucht sind. Das ist unermesslich hilfreich bei der Zusammenarbeit mit den Klienten.

 

GLENN: Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt bin ich bei meiner Frage angelangt: Bei Ängsten in bezug auf Dinge in der Zukunft, die potentiell das ganze Leben verändern werden und die fast mit Sicherheit passieren werden: Ist es da nicht besser, „den Deckel drauf zu lassen“ auf diesen Problemen als die Klienten klatsch bumm in etwas hineinrennen zu lassen, auf das sie nicht vorbereitet sind (und auf das ich offen gesagt auch nicht vorbereitet war)? Ein Teil in mir sagt, dass es besser ist vorher zu wissen, womit man konfrontiert wird und solche aufkommenden Gefühle in diesem Bewusstsein anzugehen. Ein anderer Teil von mir fragt sich nun nach dieser Episode, ob das richtig ist. Tut mir leid, dass ich so ausschweifend bin, aber wie immer wäre ich für jede Hilfe sehr dankbar.

 

GARY: Ich denke, es gibt ein paar Situationen, wo wir die Klienten “wirklich ganz in Ruhe lassen” und sie ihre Köpfe in den Sand stecken lassen und mit der Wahrheit nicht konfrontieren sollten. Ich werde dieses Urteil den betroffenen Personen überlassen. Dennoch, ich habe mich noch in keiner Situation befunden, wo ich bereit gewesen würde, zurückzuweichen und wegzusehen.

 

Wie schon gesagt: Ich sehe in dieser Art von Fällen eine Riesenchance (1) für Klienten, sich selbst von grössten Einschränkungen zu befreien und (2) für Anwender, ihre Fertigkeiten zu erweitern und an Orte zu kommen, wo sie zuvor noch nicht waren. Die Wahrheit ist die Wahrheit. Sie wird ihre Auswirkungen haben, ob wir das wollen oder nicht. Die Nacht kommt, auch wenn wir es nicht wollen. Ebenso der Regen, der Wind, der Tod und die Steuern. Das sind alles Formen der Realität – die Wahrheit, wenn Du so willst. Diese aufzuschieben oder zu ignorieren, wird nichts daran ändern.

 

GLENN: Ich hoffe, es geht Dir gut.

 

Glenn Turner

 

 

 

weiter zu Lektion 9

 

 

Übersetzung Sibylle Horn. Die Rechte an diesem Artikel liegen beim Autor. Für die Weiterverwendung gelten Gary Craigs Vorgaben, siehe Copyright und www.emofree.com

 

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