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Stand 20.6.2008

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Artikel - Dr. Patricia Carrington über den Einsatz der

„Entscheidungs-Methode" im EFT-Einstimmungssatz (Setup)

 

Teil I

 

Hallo an alle,

 

berühmte Menschen scheinen alles zu haben - Geld, Ruhm, Macht und das Glück, nur

mit den Fingern schnipsen zu müssen und die ganze Welt beugt sich vor jeder ihrer

Launen. So mag es zumindest aus der Sicht des Außenstehenden erscheinen, aber ihre

Innenwelt ist genauso anfällig für Fehler und Schwächen wie die deine und die meine.

 

Dr. Patricia Carrington nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise in die Innenwelt einer

berühmten Klientin und lässt uns nicht nur an verschiedenen wertvollen Einsichten

teilhaben, sondern empfiehlt auch eine „Entscheidungs"-Version für Affirmationen.

 

Ich umarme Euch, Gary


 

Liebe Leser,

 

Häufig, wenn ein Klient durch EFT von einer Blockade befreit ist, ist das Problem für

immer gelöst oder es braucht nur noch ein paar „verstärkende" Klopfsitzungen zu Hause,

damit die Behandlung richtig greift.

 

Doch was ist mit den Themen, die, obwohl sie erfolgreich geklopft wurden, erst noch in

die Lebensgewohnheiten der Person einfließen müssen, um ihre größtmögliche Wirkung

zu entfalten? Die Art und Weise, wie jemand bisher sein Leben gelebt hat, sein Selbstbild

und seine Lebensgewohnheiten, das alles kann den nützlichsten Veränderungen

entgegenarbeiten, und obwohl die Lebensgewohnheiten das Erreichte nicht ungeschehen

machen können, können sie es doch in seiner Wirkkraft und in seinem Einfluss mindern.

So gesehen kommt dann der durch EFT erreichbare und immer wieder erstaunliche

Perspektivenwechsel nicht in vollem Umfang zum tragen.

 

An dieser Stelle setzt die Verwendung der "Entscheidungs-Methode" ein (eine Form der

Affirmation die ich in vielen Fällen für effektiver halte als die einfache Aussageform). Ich

konnte feststellen, dass die "Entscheidungs-Methode" einem Klienten helfen kann, die

durch EFT erreichten nützlichen Veränderungen zu festigen und dauerhaft zu machen

und diese EFT - geschaffenen Veränderungen leichter auf viele Aspekte des Lebens

auszudehnen. Wenn das geschieht, erleben wir wahrhafte Transformationen.
 

Ich will Ihnen ein Beispiel nennen:

 

"Tara" kam zur Therapie, weil sie für ihre immer wiederkehrenden Depressionen und

Eheprobleme Hilfe suchte. Sie ist eine bekannte Sängerin, die in einer Welt der

Theaterleute aufgewachsen ist. Ihre Mutter spielte regelmäßig eine kleinere Rolle in einer

Fernsehserie, ihr Vater war ein recht bekannter Fernsehchef. Ihre Freunde waren alles

Leute aus dem Show-Geschäft.

 

Als einziges Kind, so erinnerte sich Tara, trug sie immer wunderschöne Kleider und jeden

Tag eine andersfarbige Schleife in ihren weichen blonden Locken. Im Alter von drei

Jahren rezitierte sie häufig Longfellow-Gedichte und führte kleine Steptänze auf. Sie

erntete begeisterte Applausstürme ihrer Gäste, was natürlich die höchste Form von

Anerkennung war, die sie von Show-Leuten bekommen konnte. Oberflächlich gesehen

könnte man daraus schließen, dass sie "über-gewertschätzt" worden wäre, da jede ihrer

Bewegungen mit übertriebener Aufmerksamkeit (entweder Lob oder Kritik) bedacht

worden war. Ihre Mutter zeigte sich unglaublichen stolz auf sie und schien sich im Glanz

der Leistungen ihrer Tochter zu sonnen. Sie verpasste nie auch nur eine Einzelheit einer

ihrer Darbietungen. Tatsächlich schien die Mutter beinahe indirekt durch ihre Tochter zu

leben, einen Triumph genießend, den sie in ihrer eigenen bescheidenen Karriere niemals

erreicht hatte.

 

Als Tara in die Therapie kam, verhielt sie sich so, als ob sie "keine eigene Identität"

hätte und dies wurde zu einem Hauptfokus bei ihrer Behandlung. In ihren eineinhalb

Jahren Therapie haben wir massiv EFT eingesetzt in vielen Sitzungen. Wir haben ihre

ursprüngliche Familiensituation beklopft, ihre Angst, erfolgreicher zu sein als ihre

hübsche Schauspielermutter, ihre Angst, ihrem "höchst gestrengen" Direktor-Vater nicht

zu gefallen und die Depression, die sie heute fühlt, wenn sie von anderen nicht das

bekommt, was sie als genug Aufmerksamkeit empfindet (mit anderen Worten keinen

Applaus).

 

Während dieser Zeit hat sich Tara bemerkenswert verändert. Sie geht jetzt mit Würde,

wohingegen sie vorher ins Zimmer zu flattern schien. Sie spricht jetzt langsamer und mit

einer neuen Ernsthaftigkeit und Direktheit, durch die sie anderen zum ersten Mal als

„reale Person" erscheint. Ihr Leben allgemein und ihre Beziehungen sind sehr viel echter

geworden und sehr viel reicher. Es scheint oft, als ob ich einen ganz anderen Menschen

begrüße, wenn sie in mein Büro kommt.

 

Trotz all dieser erreichten Ziele hatte sie immer noch eine restliche Traurigkeit in ihrem

Gesicht, den Blick eines Menschen, der auf ein sehr entfernt liegendes schmerzvolles

Ereignis starrt.

 

Als sie neulich zu einer Sitzung kam, war ihre Traurigkeit an die Oberfläche gekommen

(was gut war, denn nun konnten wir direkt mit ihr umgehen) und als wir für die

Traurigkeit klopften, wurde offensichtlich, dass diese weder mit irgendetwas aus der

Gegenwart zu tun hatte, noch damit, dass sie in der Kindheit gezwungen worden war,

eine Fassade für ihre Gäste aufrechtzuerhalten — es war nichts von alledem. In

Wirklichkeit ging es gar nicht um Aufmerksamkeit per se — sondern darum, von

Menschen wahrgenommen zu werden, darum, dass Menschen sie WAHRNEHMEN.

 

Mitten in der Sitzung senkte sich Taras Blick und sie wurde still. Dann sagte sie mit leiser

Stimme: "Es geht nicht mehr um meine Sorge, anderen zu gefallen — das tut mir nicht

mehr so weh wie früher. Es ist nur... Aufmerksamkeit hin oder her und egal wie sehr sie

SAGTE, dass sie mich liebt und egal wie sehr sie geprahlt hat mit mir — meine Mutter

Artikel: Die Entscheidungs-Methode

Seite 2 von 21

„Choices" (www.emofree.com/articles/choices.htm) - Übersetzung ins Deutsche: Sibylle Horn (2004) -

www.eft-online.de

hat MICH nie wirklich wahrgenommen." Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie

darüber sprach und sie erklärte, dass selbst dann, wenn sie wunderbar gespielt hatte

und step-getanzt und gesungen und vorgetragen hatte, so wie ihre Eltern es von ihr

erwarteten, ihre Mutter nie wirklich „sie" gesehen hatte - das wurde ihr jetzt klar.

 

"Sie sah die kleine Puppe, die sie geschaffen hatte. Sie war so stolz auf diese Puppe, sie

hat nie MICH gesehen" sagte sie. Hierin lag die Quelle einer der tiefsten inneren

Traurigkeiten Taras — und wir waren in der Lage, sanft und mit Respekt vor ihrer

Schwierigkeit, diese in Worte zu fassen, die schmerzvolle Erinnerung durch stilles

Klopfen abzubauen:

 

"auch wenn Mami mich niemals wirklich gesehen hat"

 

"auch wenn Mami nicht wusste, dass ich da war"

 

"...auch wenn ihre Augen mich nicht wirklich anschauten"

 

Als sie das geklopft hatte, kam eine Ruhe über Tara, ein Frieden, den ich zuvor nicht an

ihr gesehen hatte.

 

Da war eine neue Klarheit in ihren Augen, als sie sehr langsam sagte: "Ich habe das nie

zuvor — wirklich — realisiert. Sie sah die Darstellerin. Sie liebte sie. Sie hat nie mich

gesehen." Sie sagte dann, dass sie ein friedliches Gefühl diesbezüglich habe und dass es

eine enorme Befreiung sei, diese Tatsache angeschaut zu haben und das direkt klopfen

zu können, nicht nur die Probleme „drum herum". Es war klar, dass dies für Tara einen

Wendepunkt darstellte.

 

Ich wusste, wie grundlegend wichtig die Sitzung gewesen war und ich wollte ihr helfen,

das Erreichte zu festigen, diese Einsicht und das Verständnis zu einer Grundlage ihres

neuen Lebens werden zu lassen. Um dies zu unterstützen, schlug ich vor, dass wir einige

"Entscheidungs-Sätze" formulieren, zu dem, was sie herausgefunden hatte. Sie war

bereits damit vertraut, da wir schon einige Male während ihrer Therapie Entscheidungs-

Sätze verwendet hatten. Also arbeitete sie mit mir daran, welche zu finden, die sie dann

mit nach Hause nehmen konnte.

 

Diese Entscheidungs-Sätze entwickelten sich aus einer Diskussion, die wir anschließend

darüber hatten, wie wir uns selbst "sehen" und achten können, auch wenn jemand, der

so wichtig in unserem Leben ist wie ein Elternteil, uns als Kind nicht wirklich

wahrgenommen hat. Unsere Diskussion führte dahin, dass Tara realisierte, dass ihre

Mutter nicht "sie" gesehen hatte, (sondern nur den kleinen heranwachsenden

Bühnenstar) weil die Mutter sich selbst nie als „wirklich" gesehen hat, sondern nur als

einen Möchtegern-"Star". Es war in keinster Weise so, dass sie Tara nicht liebte. Das

hatte nichts mit Liebe zu tun. Es war das Gefühl der Mutter, unbedeutend zu sein, das

hier der entscheidende Faktor war.

 

Dies war eine Zeit des tiefen Verstehens für Tara, des Dahinschmelzens einer

Abneigung, die sie jahrelang gegenüber ihrer Mutter mit sich herumgetragen hatte. Sie

konnte nun sehen, dass sie beide in demselben Dilemma gefangen gewesen waren -

dass beide das Gefühl hatten, ein Niemand zu sein.

 

Mehrere Entscheidungssätze (die Tara mit nach Hause nahm, um mit ihnen zu arbeiten)

ergaben sich aus der Sitzung, jeder mit einem etwas anderen Aspekt des Problems, der

dabei ihre erwünschte Lösung für das Problem ausdrückte. Diese waren wie folgt

formuliert:

 

"Ich entscheide mich dafür, mein 'wahres' Ich zu kennen und zu lieben, auch wenn Mami

das nicht konnte."

 

"Ich entscheide mich dafür zu verstehen, warum Mami mich nie ‚sehen' konnte."

 

"Ich entscheide mich dafür, mich meiner Mami nahe zu fühlen, weil wir beide dasselbe

Problem hatten."

 

Und schließlich:

 

"Ich entscheide mich dafür, es meinem wahren Selbst zu ermöglichen, gesehen zu

werden."

 

Dies war für Tara wahrscheinlich der wichtigste Entscheidungssatz von allen, da sie

vorher entsetzlich Angst hatte, dies zu wagen.

 

Sie nahm die kleinen blauen Karten mit nach Hause, auf denen die Entscheidungssätze

aufgeschrieben waren (ich werde die Vorgehensweise gleich erklären) und hat sie

seitdem immer verwendet. Das Gefühl, dass sie in der Lage ist, "mein wahres Selbst zu

erkennen", ist dadurch in ihr so weit angewachsen, dass sie in großem Maße dazu in der

Lage ist, die Fassade fallen zu lassen, die sie ihr ganzes Leben lang aufrecht erhalten

hatte.

 

Sie ist jetzt gerne und bewusst eine ausgezeichnete und erfahrene Bühnendarstellerin

(sie behauptet sogar, jetzt noch besser zu sein), aber im Gegensatz zu vorher ist sie nun

in der Lage, wenn sie nicht auf der Bühne steht, ein ‚wirklicher' Mensch zu sein, einer

den sie echt mag und respektiert, so wie es viele andere tun. Ihre Entscheidungssätze

haben die Einsichten kräftig verstärkt, die sie während der EFT-Arbeit gewonnen hatte.

 

Wenn Ihr von den Entscheidungssätzen Gebrauch machen wollt, um mit EFT Erreichtes

zu festigen: Hier ist das Verfahren, wie ich es verwende:

 

Am Ende einer EFT-Sitzung, wenn wir bedeutende emotionale Blöcke geklärt oder

teilweise geklärt haben, schlage ich vor, dass der Klient mit meiner Hilfe eine

aussagekräftige Entscheidung formuliert oder eine Reihe von Entscheidungen (letzteres

deckt mehr als einen Aspekt ab), die mit dem Problem zu tun haben, für das er gerade

geklopft hat.

 

Ich schreibe dann jede Entscheidung für ihn auf eine (normalerweise hellblaue) DIN A6-

Karte auf, wobei ich exakt seine Worte verwende — eine eigene Karte für jeden

Entscheidungssatz — und gebe diese dem Klienten am Ende der Sitzung mit. Dieses

kleine Ritual hat den Effekt, dass es ein symbolisches Geschenk von mir ist und daher

fast immer mit Respekt und Ernst behandelt wird.

 

Ich gebe dem Klienten die Aufgabe, seine Entscheidungssätze zuhause laut zu lesen,

(mindestens) zweimal am Tag — beim Aufwachen am Morgen und bevor sie abends

schlafen gehen. Sie können die Karten bei sich tragen und die Entscheidungssätze laut

lesen, wenn sie während des Tages ein bisschen Zeit übrig haben — so zum Beispiel im

Auto beim Warten vor der Ampel, usw. Viele machen es und manche haben sich ihre

Entscheidungssätze sogar aufgenommen und sie sich während des Fahrens angehört.

 

Ich sage den Klienten, dass sie sich zwischendrin keine Gedanken über das machen

sollen, was auf der Karte steht, sie sollen lieber jeden Entscheidungssatz nur einmal laut

lesen und ihn dann wieder aus ihren Gedanken loslassen, damit er ins Unterbewusstsein

übergehen kann, das dann die Arbeit FÜR sie tun wird. Dies ist nämlich tatsächlich genau

das, was passiert.

 

Danach erkundige ich mich von Zeit zu Zeit während der Therapie, wie ein bestimmter

Entscheidungssatz vorankommt. (Bewirkt er bereits Veränderungen in ihrem Leben?

Wenn ja, wie zeigt sich das?) Ich bewahre dazu die Entscheidungssätze in der Akte des

Patienten auf.

 

Die Formulierung ihres Entscheidungssatzes (oder ihrer Affirmation) ist in sich selbst ein

Teil der Therapie, der dazu dient, die positiven Ziele des Klienten zu klären. Ich

verwende Entscheidungssätze regelmäßig in direkter Verbindung mit EFT, um

tiefgehende therapeutische Veränderung zu erreichen. In einem späteren Beitrag werde

ich darüber schreiben, warum ich es (in den meisten Fällen) bevorzuge,

Entscheidungssätze statt direkten Affirmationen zu verwenden und wie ich die Worte

formuliere, damit sie so effektiv wie möglich sind. Ich werde auch berichten, wie ich

Garys auffallend effektive Art, EFT auf emotionale Blockaden anzuwenden, auf

Entscheidungssätze oder Affirmationen anwende und dabei die Effektivität der

Affirmationen entscheidend erhöhe . Es ist eigentlich das Gegenteil

von einer Unterstützung der EFT-Anwendung durch Entscheidungssätze. Ich finde die

Kombination aus Entscheidungssätzen (Affirmationen) und EFT eine leistungsfähige

Methode, die unsere Möglichkeiten zu helfen in hervorragender Weise steigern kann. Ich

hoffe, Sie werden es genießen, sie auszuprobieren.

 

Mit besten Wünschen,

 

Pat Carrington


Teil II

 

Hallo alle,

 

Dr. Patricia Carrington hat viele positive Rückmeldungen auf ihren kürzlich verfassten

Beitrag über die Entscheidungsmethode erhalten. Viele von Euch haben sie darum

gebeten, mehr über diese Sache zu schreiben und Pat hat, wie immer, in großzügiger

Weise zugestimmt.

 

Ich umarme Euch, Gary


Liebe Leser,

 

ich fahre hier fort mit meiner Diskussion der Entscheidungsmethode (eine Art von

Affirmation, die eingesetzt wird, um eine Verbesserung und einen Fortschritt, den man

mit EFT gemacht hat, zu festigen), die ich in meiner vorangegangenen Post beschrieben

habe. Zur Erinnerung: Eine geeignete Formulierung eines "Entscheidungssatzes" für eine

Person mit Angst vor öffentlichem Reden wäre: "Ich entscheide mich dafür, mich

selbstsicher und ruhig zu fühlen, wenn ich vor Gruppen spreche." Diese unterscheidet

sich von einer traditionellen Form der Affirmation, bei der man dasselbe Thema zum

Beispiel mit "Ich bin selbstsicher und ruhig, wenn ich vor Gruppen spreche." anspricht.

Beides sind produktive Wege, Affirmationen zu benutzen, aber sie unterscheiden sich

etwas in ihrer Wirkung und nach meiner Erfahrung unterscheiden sie sich hinsichtlich der

Wahrscheinlichkeit, mit der sie von einem durchschnittlichen Klienten angenommen

werden.

 

Es gibt natürlich Momente, wo mir traditionelle Affirmationen zu EFT oder anderen

Therapieformen passender erscheinen, darauf werde ich später noch zu sprechen

kommen, aber in den meisten Fällen verwende ich Entscheidungssätze, um die

Wirkungen von EFT-Sitzungen in das Alltagsleben des Klienten hinüberzuholen. Ich habe

die Erfahrung gemacht, dass dies extrem hilfreich ist, um Veränderungen außerhalb von

Behandlungssitzungen zu festigen.

 

Entscheidungssätze scheinen für viele Leute annehmbarer zu sein, da konventionelle

Affirmationen, die beteuern, dass etwas gegenwärtig "so" ist (was ein anderer Teil

derselben Person NICHT so empfindet/wahrnimmt), gerade das einzuladen scheinen,

was Gary als „innere Boykotteure" beschreibt (unausgesprochene Gedanken und

Vorbehalte gegenüber der Affirmation, die ihr ihre Effektivität rauben). Natürlich ist das

weder der einzige, noch der Hauptgrund, warum Menschen „innere Boykotteure" haben,

aber ich denke mir das so - warum sich unnötig Schwierigkeiten aufhalsen? Wenn wir

eine Affirmation komfortabler und einladender machen können, indem wir sie in die

Form eines Entscheidungssatzes gießen - warum sollten wir es dann nicht tun?

 

Gewohnheit und positive Assoziationen spielen hier eine große Rolle. Entscheidungssätze

werden nicht als "weit hergeholt" empfunden, weil wir alle jeden Tag Entscheidungen

treffen und in einer Situation "die Wahl zu haben" ist dem "keine Wahl zu haben" klar

vorzuziehen. Dies ist wichtig, denn wenn wir EFT verwenden, fordern wir den

durchschnittlichen Menschen dazu auf, sich auf eine ziemlich unorthodoxe Sache

einzulassen — Klopfen auf Akupressurpunkte. Und ich finde es hilfreich, die Bereitschaft

der Leute, neue und unübliche Dinge auszuprobieren, nicht zu sehr überzustrapazieren,

indem wir auch noch damit kommen, ihnen traditionelle Affirmationen zu empfehlen —

außer die Person ist damit sehr vertraut und fühlt sich mit Affirmationen wohl.

 

Der Einsatz von Entscheidungsssätzen ist jetzt seit Jahren ein Grundpfeiler meiner Arbeit

und er hat mich in die Lage versetzt, meinen Klienten dabei zu helfen, wirkliche

Veränderungen in ihrem Leben hervorzubringen, nicht nur Symptomlinderung. Es hat sie

dabei unterstützt, wichtige Einsichten, die im Laufe der Arbeit mit EFT gewonnen

wurden, dauerhaft zu machen. Ich schätze, dass zur Zeit etwa 75% meiner Sitzungen

mit Klienten damit enden, dass wir einige "persönliche Entscheidungssätze" formulieren,

die der Klient dann mit nach Hause nimmt und anwendet. Diese Vorgehensweise

vereinfacht unsere Therapiearbeit um ein Vielfaches, dessen genauer Wert sich nur

schätzen lässt.

Ein weiterer Vorteil bei dieser Anwendung ist der, dass das Treffen von Entscheidungen

die Person in ihrem Leben auf den "Fahrersitz" bringt. Die Person, die eine Entscheidung

trifft, übt ihre Willenskraft, entscheidet über eine und verpflichtet sich zu einer

Handlungsweise. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Freiwillig-eine-

Verpflichtung-eingehen einen kraftvollen Einfluss auf das gewünschte Ergebnis haben

kann und es oft wahrscheinlicher macht, dass diese Ergebnis erreicht wird. Es übergeht

das Ego der Person nicht in einer Weise, wie es die traditionelle Affirmation tut, sondern

bezieht stattdessen das Ego (das Selbst) in den Prozess mit ein. Da es außerdem die

Realität des augenblicklichen Stands der Dinge annimmt, führt es zu einer gesunden

Nebeneinanderstellung der derzeitigen Realität und des gewünschten Ergebnisses — und

schafft eine starke Bewegung hin zum letzteren.

 

Eine Möglichkeit, Entscheidungssätze einzusetzen — es ist eine Möglichkeit, die auch mit

traditionellen Affirmationen kombiniert werden kann, obwohl ich das nur selten erlebt

habe — ist die, dass die "innere Boykotteure", die fast immer existieren, wie Gary betont

(siehe Garys Artikel), oft durch die Worte des Entscheidungssatzes selbst behandelt

werden können — hineingebaut, sozusagen.

 

Eine meiner Klientinnen, "Judy" liefert ein Beispiel hierfür. Sie wollte in eine "schöne,

sonnige, geräumige Wohnung" umziehen, hatte sich aber bisher nicht überwinden

können, die dafür notwendigen Schritte zu tun, um solch einen Umzug machen zu

können. Ganz offensichtlich waren da versteckte Themen, die sie blockierten und als wir

tappten für "Auch wenn ich Angst habe, dass ich nie eine solche großartige Wohnung

bekommen werde", gingen ihre Gedanken zu ihrer älteren Schwester, die darüber

aufgebracht war, dass sie in ihrer eigenen armseligen Hütte leben musste. Diese

Schwester war ihr ganzes Leben lang auf Judy eifersüchtig gewesen. Judy war vom

ersten Tag an hübscher gewesen und beliebter, hatte aber immer versucht, ihrer

Schwester zu gefallen, zu der sie als Kind sehr aufgeschaut hatte.

 

Als sie klopfte, wurde Judy klar, dass ihr Bedürfnis, von ihrer Schwester geliebt zu

werden, ein wichtiger Faktor war, der sie daran hinderte, loszugehen, um eine neue

Wohnung zu bekommen und deshalb richteten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, an

diesem Aspekt zu arbeiten:

 

"Auch wenn (Name der Schwester) auf mich eifersüchtig ist, wenn ich eine tolle

Wohnung bekomme..."

 

"Auch wenn sie mich nicht mag, wenn ich eine tolle Wohnung bekomme..."

 

"Auch wenn sie mir böse ist, wenn ich eine tolle Wohnung bekomme..." usw.

 

Wir machten weiter, bis Judys Intensität (Intensität der Emotion auf einer Skala von 0

bis 10) auf Null heruntergekommen war. Sie war nun in der Lage, sich bildhaft

vorzustellen, wie sie hinausgeht und die Wohnung aktiv sucht und findet.

 

Als wir am Ende dieser Sitzung angelangt waren, formulierten wir einen

Entscheidungssatz für sie, den sie mit nach Hause nehmen und mit dem sie arbeiten

konnte (ich beschrieb diesen Prozess in meinem vorangegangenen Beitrag). Da das

Bedürfnis nach der Liebe eines Familienmitglieds vermutlich viele Aspekte hat - einige

davon hatten wir bis dahin noch nicht behandelt - wollte ich es ihr erleichtern, mit

diesem Thema außerhalb der Therapie zurechtzukommen und so bot ich ihr an, dass sie

in ihren Entscheidungssatz eine Wendung einbaut, die diese potentiellen „inneren

Boykotteure" anspricht. Die Worte, auf die wir uns für ihren Entscheidungssatz einigten,

waren:

 

"Ich entscheide mich dafür, mich geliebt zu fühlen, während ich in einer schönen,

geräumigen, sonnigen Wohnung lebe."

 

Beachten Sie, dass ich ihr nicht empfohlen habe zu sagen: "Ich entscheide mich dafür,

dass mich meine Schwester liebt, wenn ich... usw.". Wir können nicht für jemand

anderen entscheiden, wie er fühlen oder handeln oder sein soll — nur für uns selbst. Also

habe ich stattdessen vorgeschlagen, dass sie den Entscheidungssatz so formuliert, dass

sie, wenn sie in dieser Wohnung wohnt, dabei ein subjektives Gefühl von Geliebtwerden

hat. Wir können uns entscheiden, jedes Gefühl zu haben, das wir haben möchten.

 

Dies sprach gleichzeitig ihren Wunsch nach einer herrlichen Wohnung und den „inneren

Boykotteur" an. Obwohl wir in der nächsten Therapiesitzung für andere Aspekte dieses

Themas noch einiges zu klopfen hatten, hatte sich Judy bereits vor dieser Sitzung aktiv

nach Wohnungen umgesehen und Freunden davon erzählt. Nach drei Wochen hatte sie

eine "schöne, sonnige, geräumige Wohnung" gefunden, in die sie voller Zuversicht

einzog.

 

Natürlich finden es Leute manchmal sehr schwer, eine Entscheidung wie etwa "sich

geliebt fühlen" zu treffen. Wenn dem so ist, dann können wir EFT einsetzen, um mit

diesem Thema klar zu kommen. Nachdem einige der Blockaden entfernt sind, können

wir ihnen helfen, einige zusätzliche (weitere) allumfassende Entscheidungssätze zu

formulieren wie: "Ich entscheide mich dafür, mich liebenswert zu fühlen." Oder "Ich

entscheide mich dafür, mich geliebt zu fühlen" oder wir können „Ich verdiene es

nicht..."-Themen mittels eines Entscheidungssatzes ansprechen.

 

Es mag gelegentlich vorkommen, dass jemand die Auffassung vertritt, man würde durch

die Wortwahl bei einem "Entscheidungssatz" das Ziel in die Zukunft vertagen. Man

könnte daher den „Entscheidungssatz" als weniger zwingend empfinden als die direkte

traditionelle Form der Affirmation. Ich habe trotzdem nur selten feststellen können, dass

dies der Fall ist. Meine Erfahrung ist, dass das "Unterbewusstsein" die Worte eines

Entscheidungssatzes nicht in dieser Weise interpretiert. Die Fälle, in denen ein Klient, ein

Freund oder ich selbst durch einen "Entscheidungssatz" eine Entscheidung getroffen hat

und diese tatsächlich in die Realität umgesetzt wurde, sind nicht mehr zu zählen — ob es

nun zwei Stunden, nachdem man sich den „Entscheidungssatz" überlegt hatte oder drei

Wochen nach dem Tag, von dem an der Satz täglich angewendet wurde, oder ein Jahr

danach war oder wann auch immer.

 

Vieles von dem, was ich über den Einsatz von Affirmationen mit EFT gesagt habe, trifft

zum großen Teil auf alle Affirmationen zu, ganz gleich ob sie nun als Entscheidungssätze

oder als direkte Reframes 1 der gegenwärtigen Realität formuliert werden, wie es bei den

traditionellen Affirmationen der Fall ist. Ich finde, dass die traditionellen Formen der

Affirmation in bestimmtem therapeutischem Kontext hervorragend effektiv sein können

und dann tatsächlich die Methode der Wahl sind. Zum Beispiel, wenn ich Garys

fortgeschrittene intuitive EFT-Technik hernehme, (bei der er, um mit Kernthemen

umzugehen, fortschreitende Veränderungen in der Formulierung vorschlägt, während der

Klient den Handkantenpunkt klopft) so habe ich festgestellt, dass ich durch die

Verwendung direkter Aussagen und Affirmationen, ohne Schnörkel oder irgendetwas

anderes, was den Ablauf behindern könnte, direkt ins Herz der Sache vordringen kann

und mich mit dem Klienten in einem tiefen und vollkommenen Sinne verbinden kann. Es

wäre unangemessen, diese kraftvollen Aussagen auf irgendeine Weise zu verwässern.

 

Auch gibt es einige globale Themen, die nach direkten Aussagen verlangen — sie

scheinen jenseits jeder Entscheidung zu liegen. Zum Beispiel hatte eine meiner

Klientinnen ein Problem mit der eigenen Identität — sie sah sich ständig mit den Augen

ihrer Mutter („Was würde Mami dazu sagen?"). Nachdem sie in der Therapie einige

dieser Themen rund um ihre Mutter bearbeitet hatte, traf sie diese Aussage, die ihren

Fortschritt unterstützen sollte — sie folgte einer Einsicht, die ihr während des Klopfens

gekommen war:

 

„Mein wahres Ich kenne nur ich selbst und Gott."

 

Es wäre unangemessen gewesen, dies als Entscheidungssatz zu formulieren wie "Ich

entscheide mich dafür, dass das mein wahres Ich nur ich und Gott kennen." Das

Glaubenssystem der Klientin unterstützte die von ihr formulierte Affirmation voll und hier

künstlich einen Akt der Entscheidung hineinzubringen, hätte die Affirmation in ihrer

Wirkung verwässert. Ihre Affirmation stellte sich für die junge Frau als extrem hilfreich

heraus, weil sie sie bei der Arbeit damit regelmäßig daran erinnerte, dass sie in einer

sehr positiven Weise getrennt von ihrer Mutter existierte.

 

Es ist eine Sache der nüchternen Beurteilung, ob man in einer gegebenen Situation

einen Entscheidungssatz oder eine traditionelle Affirmation vorschlägt oder nicht. Obwohl

ich festgestellt habe, dass Entscheidungssätze meistens bevorzugt werden, kann das

direkte Reframe, wie es in einer traditionellen Affirmation verwendet wird, wo es passt,

eine kraftvolle Wirkung haben, die durch einen Entscheidungssatz nicht erlangt werden

kann. Ich möchte Ihnen Mut machen, beide Anwendungen auszuprobieren und

Affirmationen (egal welcher Form) reichlich und kreativ in Ihre Arbeit mit EFT einfließen

zu lassen.

 

Mit den besten Wünschen, Pat

Patricia Carrington, Ph.D.

 

________________________

1 Die Technik, einen Inhalt in einen neuen Kontext zu setzen, heißt im NLP Reframe - „einen neuen

Rahmen für das Bild finden".

 

 

Teil III

 

Hallo alle,

 

Dr. Patricia Carrington wurde beachtliches Interesse von fortgeschrittenen Lesern dieser

Liste entgegengebracht, die ihre "Entscheidungs"-Methode zur Abstimmung des EFT-

Einstimmungssatzes gelesen hatten. Folglich hat sie in einem dritten Beitrag ihre Idee

weiter ausgebaut.

 

Ich umarme Euch, Gary


Liebe Leser,

 

unterschätze niemals die Kraft des Internets — oder in diesem Fall, dieser Liste! Was ich

mit Euch heute teilen möchte, ist eine Entdeckung, die sich aus meinen Beiträgen hier

bezüglich der Verwendung von "Entscheidungssätzen" bei der Anwendung von EFT

ergeben hat. (Entscheidungssätze sind Affirmationen, die sich von den traditionellen

darin unterscheiden, dass der Aussage über das gewünschte Ergebnis statt eines

einfachen Aussagesatzes wie "Ich bin", "Ich habe" die Worte "Ich entscheide mich dafür,

dass" vorangehen)

 

Mehrere Leser dieser Liste haben mir geschrieben, um mir für den Vorschlag,

Entscheidungssätze in den EFT-Einstimmungssatz einzubauen, zu danken. Die Wege des

Universums sind schon merkwürdig — ich hatte von dieser speziellen Verwendung noch

gar nichts geschrieben, doch hier gab es Leute, die verwendeten sie bereits mit

verblüffenden Ergebnissen. Auch schrieb mir Christine Sutherland (Director of the

Meridian Therapies List), die nicht gewusst hatte, ob ich das empfehle und es für eine

natürliche Sache gehalten hatte dies auszuprobieren, von mehreren Erfolgen, die sie

damit hatte, Entscheidungssätze auf diese Weise einzusetzen. Offensichtlich hat diese

neue Verwendung von Entscheidungssätzen "in der Luft gelegen" und musste nur noch

von jemandem aufgegriffen werden.

 

Dieser "glückliche" Umstand erschien mir als wichtiger, versteckter Hinweis, also machte

ich mich daran, die Verwendung von Entscheidungssätzen im Einstimmungssatz zu

erkunden, indem ich sie zunächst an mir selbst ausprobierte - etwas, was ich regelmäßig

tue, wenn ich neue Möglichkeiten auskundschafte. Ich war sofort beeindruckt von den

Auswirkungen auf mich und als ich es mit meinen Klienten verwendete, erhielt ich

ähnlich positive Resultate. Dementsprechend habe ich den neuen "Entscheidungs-

Einstimmungs-Satz" mit der Technik der abwechselnden Sätze kombiniert, diese

Anwendung verfeinert und Richtlinien für die Verwendung entworfen. Ich denke, das ist

für uns alle von Nutzen.

 

Im "Entscheidungs-Einstimmungssatz" ersetzt man die Affirmation der Selbstannahme,

die am Ende des EFT-Einstimmungssatzes verwendet wird, durch einen Entscheidungs-

Satz, der das vorliegende Problem anspricht. Der folgende Erinnerungssatz (Kurzform),

kann unterschiedliche Formen annehmen. Welche man in einer bestimmten Situation

auswählt, hängt vom Urteil des Therapeuten und den Vorlieben des Klienten ab. Der

Erinnerungssatz kann sein:

 

(1) einfach der negative Teil des Einstimmungssatzes (der "Auch wenn"-

Teil ohne das "Auch wenn"). Ich finde das die beste Anwendung, wenn

jemand so überwältigt ist von einem negativen Gefühl, dass er zu diesem

Zeitpunkt einfach gar nichts Positives in Erwägung ziehen kann.

 

(2) sowohl der negative Teil ALS AUCH der positive Teil des

Einstimmungssatzes, abwechselnd verwendet in den Runden der

Behandlung. Bei dieser Methode wird der negative Teil des

Einstimmungssatzes während der ersten Runde und der positive Teil (die

Entscheidung) während der zweiten Runde verwendet. Die beiden Runden

sind in gewissem Sinne gekoppelt und bilden eine "Behandlungs"-

Sequenz. Wenn weitere Arbeit notwendig ist, werden die abwechselnden

Runden (eine negative Runde gefolgt von einer positiven Runde) so oft wie

notwendig wiederholt. Dieser Ablauf verbindet einen negativen Gedanken

mit einem positiven, worauf ich gleich noch einmal zu sprechen kommen

werde.

 

(3) nur den positiven Teil des Einstimmungssatzes (d.h. die Entscheidung

selbst). Ich finde dies besonders hilfreich, wenn die Person schon

genügend negative Gefühle gelöst hat, so dass sie sich jetzt mit ganzer

Kraft dem Positiven widmen kann. Ich benutze dies oft, um die Klopfserie

abzuschließen.

 

Wird der Entscheidungssatz jemals den wertvollen Selbstannahmesatz ersetzen, der

bisher die Hauptstütze unserer EFT-Praxis war? Ich glaube wirklich nicht, dass wir uns

zwischen den beiden entscheiden müssen und sollten. Beide Anwendungen sind auf ihre

Weise nützlich und jede der beiden kann unter bestimmten Umständen die bevorzugte

Methode sein. In einem weiteren Beitrag werde ich erörtern, wann ich die eine oder die

andere für einen bestimmten Zweck für nützlicher halte.

 

Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie der Entscheidungs-Einstimmungssatz in

der Praxis funktioniert: Hier ist die Schilderung, wie "Brian", einer meiner Klienten, sie

neulich eingesetzt hat. Brian fuhr gerade zu einem Interview, das für ihn sehr wichtig

war, als er in einen Verkehrsstau geriet und ihm klar wurde, dass er jetzt zu spät zu

seinem Termin kommen würde. Als erfahrener EFT'ler entschied er sich dafür, ein

bisschen zu klopfen. Normalerweise hätte er den Standard-EFT-Satz benutzt, der hätte

lauten können: "Auch wenn ich wütend und ärgerlich bin, dass ich jetzt zu spät komme,

liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz so wie ich bin." Wie wir alle wissen, hätte das

sicher seinen Stress reduziert. Er hat sich aber entschieden, den Entscheidungs-

Einstimmungssatz zu verwenden, den er von mir ein paar Tage vorher erlernt hatte. Er

hat mir erzählt, dass dessen Wirkung auf ihn noch positiver war als vormals,
als er den Standard-Einstimmungssatz verwendet hatte.

 

Beim Entscheidungs-Einstimmungssatz muss die Person sich einen Entscheidungssatz

ausdenken, der das direkte Gegenteil des unerwünschten Ist-Zustands darstellt, in

gewissem Sinne das Gegenmittel dazu. Also nahm Brian "Auch wenn ich wütend und

besorgt bin, entscheide ich mich dafür, dass diese unerwartete Verspätung zu meinem

Vorteil arbeitet." Natürlich hätte er genauso gut auch sagen können "Ich entscheide mich

dafür, ruhig und vertrauensvoll zu sein, wenn ich zu dem Interview reingehe." oder

andere Entscheidungen treffen können, die dem Problem entgegenwirken, das er gerade

erlebte. Die einzige Regel, an die er sich halten musste, war die, dass es eine zielgenaue

Aussage sein musste, die sich genau auf die spezielle Herausforderung richtete, in der er

sich gerade befand und nicht eine allgemeine Aussage der Selbstannahme.

 

Er nahm als Erinnerungssatz "Ich bin wütend und besorgt wegen dieser Verspätung",

was genau dem negativen Teil des Einstimmungssatzes entsprach. Nachdem er dies

mehrere Runden getappt hatte, war die Intensität (seines Stressgefühls auf einer Skala

von 0 bis 10) nun fast bei Null (die gewohnte EFT-Erfolgs-Geschichte) und er fühlte sich

entspannt und stand über dem Problem. Trotzdem sollte sich die ganze Wirksamkeit

dieser Anwendung erst noch zeigen. Nach weiteren Minuten des Wartens gaben die

Polizei-Lautsprecher bekannt, dass der ganze Verkehr durch eine andere Stadt

umgeleitet werde. Da dieser ziemlich lange Umweg zusätzlich 20 bis 30 Minuten Fahrzeit

bedeutete, war Brians Entspanntheit erschüttert. Mit seinen Worten: sein Magen "zog

sich zusammen, wie in einem Schraubstock".

 

Was als nächstes geschah, ist hier von besonderer Bedeutung. Unmittelbar nach der

ersten negativen Reaktion, meinte Brian die Worte seiner Entscheidung gedämpft und

undeutlich in sich zu hören. Dieser optimistische Gedanke schien ihn aus dem negativen

Zustand herauszuziehen und er stellte fest, dass er stattdessen darüber nachdachte, wie

er seinen Interviewern über das Handy so von seiner Verspätung erzählen konnte, dass

er dabei so souverän wie unter diesen erschwerten Bedingungen nur möglich rüber-

kommen würde - dies konnte ihm im Interview am Ende nur von großem Nutzen sein.

 

Während er weiterfuhr, nutze er die Zeit, um darüber nachzudenken, wie er, wenn er

angekommen war, seine Präsentation so zusammenfassen konnte, dass die Interviewer

von seinem spontanen Einfallsreichtum beeindruckt sein würden. Tatsächlich war er

selbst so begeistert davon, wie er es schaffte, sich dies zurechtzulegen, dass er das

Interview mit einer Zuversicht begann, die die Interviewer scheinbar beeindruckt hat,

denn sie empfahlen ihn anschließend für eine Versetzung in eine andere Abteilung seiner

Firma (was der Grund gewesen war, weshalb er dieses Interview hatte machen wollen).

 

Diese positive Veränderung seiner Einstellung nach der Verwendung des Entscheidungs-

Eintimmungssatzes scheint bei vielen Menschen typischerweise einzutreten. Auch wenn

ich oder andere sich nicht mehr an die genauen Worte des Entscheidungssatzes erinnern

können, wenn sie so wie Brian anschließend mit einer erneuten Herausforderung

konfrontiert werden, so erleben wir doch oft, dass wir in dem Moment, wo durch eine

neue Herausforderung unsere ursprünglich negative Haltung (die "negative Denkweise")

ausgelöst wird, wir die gewählte positive Haltung einnehmen.

 

Aber WARUM passiert das? Welche Mechanismen könnten hier am Werk sein? Dies ist

eine wichtige Frage. Meine Vorstellung ist, dass der Entscheidungs-Eintimmungssatz

einen starken "Link" (in psychologischer Fachsprache eine "konditionierte Reaktion")

zwischen der negativen Denkweise der Person (dem "Auch wenn..."-Satz) und ihrer

positiven Denkweise (dem "entscheide ich mich..."-Satz) herstellt. Ich denke, dieser Link

wird auf einem sehr tiefgehenden Level geschaffen, da durch das Klopfen ein sehr

aufnahmebereiter Zustand entsteht. EFT schafft eine hervorragende Voraussetzung, um

positive Denkweisen und tiefe Einsichten zu schaffen, wie es die Effektivität von Garys

fortgeschrittenen EFT-Techniken zeigen, bei denen Klienten für immer tiefer gehende

Einsichten und Selbstbegegnungen offen sind, je weiter das Klopfen fortschreitet.

 

Sobald ein Link zwischen der negativen Denkweise der Person und ihrer positiven

Entscheidung gesetzt ist, wird die negative Denkweise nun zu einem Trigger, der jedes

mal, wenn er aktiviert wird, automatisch die positive Entscheidung aufruft. Für all

diejenigen, die mit NLP vertraut sind: Die negative Denkweise ist nun zum "Anker" für

die positive Entscheidung der Person geworden, der sie automatisch hervorruft. Wenn

wir uns das durch den Kopf gehen lassen: Was könnte besser sein?

 

Solch ein Prozess könnte bedeutende Auswirkungen auf unser Leben haben, weil eine

negative Reaktion (Jetzt-ist-alles-aus-Gedanken, sich gefangen fühlen, Magendrücken,

etc.) in den meisten problembeladenen Situationen nicht nur einmal auftritt, sondern

immer wieder. Im Falle von unangenehmen körperlichen Beeinträchtigungen zum

Beispiel können negative Gedanken an einem einzigen Tag mehrere hundert mal

auftreten, da die lästige Sache (wie eine laufende Nase oder eine ein schmerzender

Hals) sich von sich aus wiederholt in unser Bewusstsein drängt. Jedes mal, wenn das

geschieht, wird nun die positive Entscheidung in unserem Einstimmungssatz und der

Kurzform in unseren Gedanken ausgelöst. Wissen Sie, was Wiederholungen ausmachen,

wenn es darum geht, etwas sicher in unserer Psyche zu verankern? Alles!! Sie ist bei

Veränderungen von unschätzbarem Wert.

Ich stelle fest, dass eine Veränderung von einer negativen zu einer positiven Haltung

öfter auftritt, wenn man den Entscheidungs-Einstimmungssatz verwendet (der natürlich

genauer auf das Problem zugeschnitten ist), als wenn wir den Standard-Selbstannahme-

Satz verwenden - wie gesagt, mit Ausnahme von Umständen, die leichter auf den

Selbstannahme-Satz ansprechen (wie versprochen, werde ich darauf in einem späteren

Beitrag eingehen).

 

Ich verwende den Entscheidungs-Einstimmungs-Satz bei der Anwendung von EFT statt

des Standard-Selbstannahme-Satzes inzwischen ungefähr in 90-95% der Fälle bei mir

selbst, und ungefähr in 80% der Fälle bei meinen Klienten, wahrscheinlich deswegen,

weil meine umfassende Erfahrung mit Entscheidungssätzen es mir möglich macht, diese

sicherer anzuwenden als es andere vermutlich zu Anfang können. In einem späteren

Beitrag werde ich die Grundregeln des effektiven Entscheidungen-Findens ansprechen,

da aber viele dieser Regeln den Richtlinien für die effektive Anwendung von

Affirmationen im allgemeinen ähnlich sind, möchten Sie vielleicht Garys exzellente

Diskussion darüber „The Palace of Possibilities" durchsehen .

 

Mit warmen Wünschen,

 

Pat

 

Patricia Carrington, Ph.D.


Teil IV

 

Hallo an alle,

 

Dr. Patricia Carrington setzt ihre beliebte Serie über den Einsatz von "Entscheidungss-

ätzen" im EFT-Ablauf fort. Diesmal präsentiert sie uns einen zweiteiligen Beitrag, der ihre

Anwendung dieser Methode für einen Klienten sehr detailliert vorführt. Bitte beachten

Sie ihren Einsatz des "Entscheidungs-Trios" und ihre gekonnte Verwendung des Abnehm-

Protokolls von Dr. Carol Look.

 

Ich umarme Euch, Gary


Liebe Leser,

 

Ich bin zunehmend beeindruckt vom Leistungsvermögen von EFT bei der Unterstützung

von zielgerichtetem innerem Wachstum UND EBENSO (ich betone dies hier!) von seiner

unbestreitbaren wunderbaren Fähigkeit, negativen Stress zu lindern. Aus diesem Grund

habe ich nach Wegen gesucht, positive "Entscheidungssätze" in EFT zu verwenden, um

spezifischere und zweckdienliche Ziele für die Anwender zu formulieren. Ich halte

fortgeschrittene Heilung für erreicht, wenn wir Erfüllung, Freude und einen Sinn im

Leben haben und Entscheidungssätze können effektiv dazu beitragen, diese

Einstellungen zu unterstützen.

Ich möchte Ihnen mit diesen Zeilen einige neueste Beobachtungen mitteilen, die ich im

Zusammenhang mit der Entscheidungsmethode gemacht habe, so zum Beispiel die

Wirkung auf meine Klientin „Joan", deren Geschichte beides illustriert: Die Fähigkeit von

EFT, Stress zu mindern UND persönliche Erfüllung zu ermöglichen.

 

Joan ist seit über einem Jahr in Therapie. Sie kam ursprünglich zu mir wegen eines

Gewichtsproblems verbunden mit einer immer vorhandenen leichten Depression. Bis vor

kurzem hat sie in ihrer Therapie nur bescheidene Fortschritte gemacht, obwohl wir

ausführlich mit EFT gearbeitet hatten. Wir hatten an einigen tiefen Leidensproblemen wie

(1) ihrer tiefen Scham und dem Hass gegenüber ihrem Körper und (2) verschiedenen

Aspekten des verbalen Missbrauchs durch ihren Vater als Kind gearbeitet (zum Beispiel,

wenn er sie während des Fahrens vor anderen Kindern und seiner Familie „dieses fette

Schwein auf dem Rücksitz" nannte.). Obwohl wir den emotionalen Schmerz rund um

diesen und andere Vorfälle gelöst hatten, war es einfach so, dass es Joan nicht

signifikant besser ging.

 

Dies machte mir Kummer und schließlich legte ich ihr widerwillig nahe, einen Arzt

aufsuchen, um sich zur Unterstützung der Therapie Antidepressiva verschreiben zu

lassen. Dies tat ich deswegen, weil es eine Depression der Form war, wie so oft bei

Gewichtsproblemen auftritt (wo Essen als eine Form der Selbstmedikation verwendet

wird, um die Depression zu vermeiden). Joan lehnte meine Empfehlung ab, Medikamente

zu nehmen und sagte, sie wolle es selbst schaffen.

 

Joan ist eine großgewachsene junge Frau mit starken Knochen mit einem hübschen

Gesicht, das halb hinter ihrem fast schwarzen, wallenden Haar verschwindet. Sie ist

intelligent und scharfsinnig, aber da ist eine große Traurigkeit um sie her und ihr Reden

wird häufig von Seufzern unterbrochen. Sie kämpft schon ihr ganzes Leben mit

Übergewicht und hat in dem Bestreben, dies in Griff zu kriegen, mit einer

Unterstützungsgruppe und Diätform nach der anderen gearbeitet. Obwohl sie nicht

richtig fettleibig ist, ist sie doch im Hinblick auf ihre eigene Gesundheit deutlich zu

schwer und ihre potentielle Attraktivität wird durch das Übergewicht verdeckt.

 

Stück für Stück haben Joan und ich Schneisen in ihr Gefühl von Versagen/Misserfolg und

ihre Selbstherabsetzung geklopft — klopf, klopf, klopf — aber oft schien es so, als ob wir

es bei der Behandlung schaffen würden, ihre Stimmung zum Ende einer Sitzung hin zu

heben, nur um Joan beim nächsten Termin wieder mit Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit

in den Augen vorzufinden. Es fühlte sich an, als würden wir versuchen, einen schweren

Sandsack auf der einen Seite anzuheben, während eine andere Seite schon wieder

heruntersackte.

 

Trotzdem hat sich die entmutigende Situation dramatisch verändert und Joan macht nun

große Fortschritte in ihrer Therapie. Dies passierte, nachdem zwei neue Zutaten in

unsere Arbeit miteinander eingeflossen waren. Ich begann, Carol Look's Weight Loss

Program mit Joan einzusetzen und ich kombinierte diese Anwendung mit dem Einsatz

strategisch ausgesuchter Entscheidungssätze in EFT, die jeweils den durch Carols

Programm identifizierten Kernproblemen entgegenwirkten.

 

Dies machte es Joan möglich, einige Kernprobleme aufzudecken, die sie vorher nicht

gesehen hatte. Bei jeder Sitzung gehen wir Carols Liste der möglichen EFT-Sätze einen

nach dem anderen durch (einige pro Sitzung), wobei Joan die auswählt, die genau ins

Schwarze treffen und auch solche, die ihr als irrelevant erscheinen und in ihr nichts „zum

Klingen bringen". Wenn wir ein passendes Thema aufdecken, sprechen wir es an, indem

wir einen anwendungsspezifischen Entscheidungssatz bilden (das machen wir für Joan),

der diesem entgegenarbeiten kann.

 

Joan und mich kostet es oft einige Zeit, gemeinsam genau den richtigen Entscheidungs-

satz für jedes Problem zu formulieren, aber wir haben festgestellt, dass die Zeit, die wir

hier investieren, um den passendsten aller Entscheidungssätze zu finden, wohl angelegt

ist. Wenn wir auf den Satz kommen, der das genaue Gegenteil der negativen ("auch

wenn") Aussage darstellt, so kann er erstaunlich effektiv sein.

 

Einen Entscheidungssatz zu formulieren, der genau der richtige ist, machte unsererseits

etwas Arbeit, weil Joan, wie die meisten von uns, es nicht immer leicht fand, sich einen

Entscheidungssatz auszudenken, der eine neue Art zu leben beschreibt, der eine

wirkliche Heilung des Problems darstellt und nicht nur einen oberflächlichen

„Heftpflaster"-Wechsel. Die meisten Menschen haben eine sehr eingeschränkte

Vorstellung davon, was für sie möglich ist und was am Ende langfristig das

Wünschenswerteste ist. An dieser Stelle ist die Sichtweise einer anderen Person, so wie

die des Therapeuten, von extrem wichtiger Bedeutung.

 

Durch diese Vorgehensweise sind wir auf - wie es Joan nannte - "echte Augenöffner"

gestoßen, auf neue Möglichkeiten zu leben, an die sie zuvor noch nie gedacht hatte, die

sich aber für sie als zutiefst heilsam herausgestellt haben. Ich werde später einige

Beispiele für diese Vorgehensweise nennen. Aber lassen Sie mich Ihnen zunächst den

Ablauf vorstellen, den ich für die EFT-Entscheidungstechnik verwende. Ich nenne es das

"Entscheidungs-Trio". Es ist nach meiner bisherigen Erfahrung der effektivste Weg, die

Entscheidungsmethode einzusetzen, mit dem ich bis jetzt gearbeitet habe. Und so

geht's:

 

Stellen Sie zunächst die Intensität fest (Einschätzung des Stresslevels auf einer

Punkteskala von 0 bis 10), und fahren Sie dann mit den folgenden Schritten fort:

 

1) Identifizieren sie die negativen Denkmuster (Haltungen), die die Per