Stress-Skala Bewertung
Teil 2 ”Springen” zwischen Problemen
In diesem Artikel diskutieren wir den Fall, dass ein Klient zwischen verschiedenen Aspekten seines Problems "springt", ohne dies zu bemerken.
In diesen Fällen ist natürlich der berichtete Skalen-Wert nicht korrekt.
Aber natürlich gibt es Wege, um das zu korrigieren.
An und für sich ist es überhaupt nicht ungewöhnlich bei einer EFT-Sitzung, dass der Klient, während er sich auf ein spezielles Problem konzentriert, sich
1) quasi wie auf einer zweiten Bühne einem neuen Aspekt zuwendet und/oder
2) in eine andere Emotion über das Geschehen verfällt (z.B. von Ärger in Trauer). In dieser Situation bemerken sie überhaupt nicht, dass das eigentliche spezifische Problem bereits gelöst ist, da das damit verwandte Problem für sie dieselbe Bedeutung hat wie das Ursprüngliche.
Ein perfektes Beispiel dafür möchte ich hier wiedergeben. Es ereignete sich auf einem meiner “Borrowing Benefits" Workshops in Sacramento. Während der Mittagspause fragte ich eine junge Frau (“Sue") welchen Fortschritt sie denn in der vergangenen Gruppensitzung gemacht habe. Das Gespräch verlief so:
Gary: Na, hast du Fortschritte gemacht bei der Auflösung deines spezifischen Problems während der letzten Sitzung?
Sue: Ich bin von “9” nach “6” gesunken.
Gary: Das ist gut, aber warum ging es nicht bis “0”?
Sue: Ich denke mal, ich hab das schon zu lange.
Gary: Also meiner Erfahrung nach hat das eigentlich nichts damit zu tun. Normalerweise ist es egal, ob man das Problem ein Jahr oder 5 Jahrzehnte mit sich rumträgt.
Sue: Na ja, es ist doch schon viel besser, als es war, aber ich bin immer noch bei “6".
Gary: Gut, aber ich bin neugierig. Welchen Filmtitel hast du denn deinem speziellen Problem gegeben?
Sue: ”Steine und Unterhose”.
Gary: Was meinst du damit?
Sue: Als ich 8 Jahre alt war, haben mein Bruder und seine Freunde mich mit Steinen beschmissen und mir dann die Unterhose heruntergezogen.
Gary: Was beunruhigt dich dabei am meisten (Anmerkung: Die hier benutzen Worte sind sehr wichtig, da sie einen Aspekt aufzeigen, der überhaupt nicht angesprochen war - dadurch finden wir heraus, was es mit der “6” auf sich hat)
Sue: Als ich meiner Mutter das alles erzählte, glaubte sie mir nicht.
Gary: War das ein Teil des ersten, Original Film-Titels?
Sue: Nein, das kam erst später.
Gary: Was war deine emotionale Reaktion auf dies “Steine und Unterhose", bevor du deiner Mutter davon erzähltest?
Sue: Ich habe mich gefürchtet. Diese Jungs waren viel grösser als ich, ich war hilflos. Und so fühle ich mich seitdem Männern gegenüber.
Gary: Schliess mal deine Augen und lass die Szene nochmals an dir vorüberziehen, diesmal aber, ohne deine Mutter miteinzubeziehen.
Sue: (Nach einigen Momenten) Da hat sich keine spürbare Änderung vollzogen.
Gary: Das heisst, da bist du also auf “0” beim “Steine und Unterhose”-Titel.
Sue: Ich glaube schon.
Gary: Schliess nochmal die Augen, versuche, ganz intensiv dich in die Situation hineinzubringen und dich aufzuregen. Aber lass auch dieses Mal deine Mutter aus dem Spiel, und auch andere Nebensachen.
Sue: (Nach kurzer Zeit) da ist nichts mehr, das mich aufregt.
Gary: Und jetzt sag mal: “Meine Mutter hat mir nicht geglaubt”
Sue: ”Meine Mutter hat mir nicht geglaubt”
Gary: Was spürst du hier?
Sue: Ja, das ist immer noch die “6”.
Gary: Also hier müssen wir uns eins klarmachen. Es sieht für mich so aus, als wäre dein ursprüngliches Problem “Steine und Unterhose" von einer “9" direkt auf “0" gefallen. Daraufhin hat dein Unterbewusstsein sofort auf einen neuen aber verwandten Aspekt umgeschaltet, und zwar auf die Ungläubigkeit deiner Mutter. Dieser Aspekt mit Wert “6" ist noch nicht abgearbeitet. Also muss deinen ursprüngliche Wertung “9" bis “6" korrigiert werden auf “9" bis “0" und dann als “6" für den neuen Aspekt. Das ist doch richtig so, oder?
Sue: Ja, jetzt wird mir das auch klar, das ist genau, was geschah.
Ich hoffe, das hilft Euch, Gary
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