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Wie man die verborgenen Themen eines Klienten findet
Da gibt es eine Frage von einem australischen Therapeuten, der eine Antwort sucht, wie man ein Problem anspricht, das sowohl dem Klienten, als auch dem Therapeuten "verborgen" bleibt.
Auf diese Frage gebe ich die folgende, hoffentlich nützliche, Antwort und verweise darüber hinaus auf meinen Artikel im Web “How do you help a “non feeling" client?
Hallo Gary,
ich behandele einen Mann mit Krebs. Ein Krebs, der weder durch Chemotherapie noch Bestrahlung behandelt werden kann. Er kam zu mir, weil er glaubt (oder hofft) dass Energetische Psychologie -Techniken ihm helfen könnten.
Er hat davon gehört, dass die meisten Krebsarten durch ein Trauma ausgelöst werden. Sein “Problem" ist, dass er sich an kein Trauma erinnern kann und auch in der Krankheit selber keine Angst empfindet.
Daraufhin wandte ich den Eröffnungssatz aus dem Grundrezept an: "Auch wenn ich diesen Krebs habe..." (ich weiss, es ist ein sehr globaler Ansatz...) ”Auch wenn ich diese schwache Energie habe...". Dann habe ich ihn noch “gezwungen", nach alten Erlebnissen zu suchen, die er als schlecht identifizieren würde. (“Auch wenn mein Sohn anfing mit Rauchen..." “Auch wenn ich diesen Riesenärger hatte, als ich das Mädchen dazu brachte, sich auszuziehen, als wir Doktor und Patientin spielten..")"
Danach dachten wir gemeinsam darüber nach, was Krebs bedeuten könnte - Angst vor dem Krebs in diesem oder jenem Organ, Angst, ihn zu verbreiten, Angst, zu sterben, Angst, andere zu verletzen, usw. Aber es gelang mir nicht, einen Aspekt zu finden, der auf der SUD-Skala etwas bewegte.
So scheint es, dass die wahren Gründe verborgen sind und ich nicht die leiseste Ahnung habe, ob ich auf der richtigen Spur bin. Bitte gib mir einen Rat !
Antwort:
Wer weiss schon, ob wir auf der richtigen Spur sind? Manchmal müssen wir ein Problem von verschiedenen Seiten aus angehen, bis wir einen Erfolg verspüren.
Aus meiner (nichtmedizinischen) Sicht sind die meisten unserer Probleme Manifestationen ungelöster emotionaler Themen (nicht nur von Traumata herrührend, wie unser Klient unterstellt).
Dies schliesst Krebs und die meisten anderen degenerativen Erkrankungen mit ein. Aber ich betone, dies ist meine nichtmedizinische Ansicht. Ich beobachte oft, dass körperliche Symptome verschwinden, wenn wir Schuldgefühle, Befürchtungen, Ärger, Traumata usw. aus früherem Leben aufgearbeitet haben. Es kann natürlich auch andere Gründe geben, aber sich auf der emotionalen Ebene an die Sache heranzumachen, hat mir schon oft teilweise oder ganz geholfen, so dass ich jedem Therapeuten rate, dieses Vorgehen ganz Oben anzusetzen.
Dein Klient kann also nichts finden, das eine Intensität in ihm auslöst. Vielleicht hat er ein sehr beherrschtes und zurückgezogenes Leben geführt, das ist aber nicht sehr wahrscheinlich.
Der hauptsächliche Grund, dass er Krebs hat, ist in meinen Augen die Tatsache, dass irgendetwas Wichtiges noch nicht gelöst ist. Er scheint etwas dermassen zu unterdrücken, oder sich so daran gewöhnt zu haben, dass er glaubt, dieser Status sei normal (und damit unnötig, es aufzuarbeiten). Dies wird den Klienten so lange unbeachtet begleiten und sein Leben limitieren, bis man es mit ihm gemeinsam entdeckt. Folgende Fälle sollen da als Beispiele dienen:
*** Ein Gefühl der Unzulänglichkeit, weil er vielleicht nie das erreichte, was Elternhaus und Gesellschaft von ihm erwarteten. Dies kann oft ein grosses Thema sein, aber der Klient scheint es nicht zu bemerken.
*** Eine “vergessene Angst" die in der Kindheit entstand und dann in das erwachsene Glaubenssystem übernommen wurde. Etwas so einfaches, wie eine Geistergeschichte im Fernsehen. Dracula oder Frankenstein könnten zum Beispiel für so etwas herhalten. “Man weiss nie, wie Menschen wirklich sind." “Du kannst niemandem trauen".
Ich weiss, das klingt nicht logisch, aber Menschen reagieren oft nicht der Logik folgend. Normalerweise reagieren sie emotional, wenngleich das auch sehr irrational sein mag.
Die Liste dieser Hintergründe kann viele emotionale Faktoren enthalten, die der Klient “auf Eis” gelegt hat, im Glauben, daran doch nichts ändern zu können.
Weitere Möglichkeiten könnten sein:
Ein tiefes Schuldgefühl, etwas getan zu haben (oder nicht getan zu haben), dass er einfach nicht hochholen oder darüber diskutieren möchte.
Wenn der Klient seiner religiösen Veranlagung nach ein Gefühl der Sünde in sich trägt und glaubt, Gott habe es deshalb auf ihn abgesehen. Dieses Gefühl zu entblössen kann ungemein schwierig sein, wirkt es doch so unglaublich normal auf den Klienten. Diese Geschichte mit Gott verursacht weit mehr Probleme, als wir uns vorstellen können. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein wichtiges aber unbehandeltes Kernproblem.
Um hinter diese “geheimen Themen” zu gelangen bedarf es manchmal schon einer gewissen Artistik und Erfahrung. Zusätzlich zum Vertrauen auf meine Intuition finde ich die folgenden Ansätze recht hilfreich:
“Wenn Sie Ihr Leben noch einmal führen könnten, welche Person oder welches Erlebnis würden Sie daraus streichen?”
“Wann haben Sie das letzte Mal geweint und warum?"
“Wer oder was macht Sie wütend und warum?”
“Was macht Sie am meisten traurig oder was bereuen Sie am meisten?"
”Was fehlt, um Ihr Leben perfekt zu machen?”
“Nennen Sie drei Ängste, auf die Sie gerne verzichten könnten?"
“Werden Sie in den Himmel kommen?”
“Was wünschten Sie, nie getan zu haben?”
Diese Fragen bringen uns zum Kernproblem. Machmal weisen die Antworten auf etwas ausserhalb des Klienten, wie zum Beispiel die Antwort “Joe hat mich zurechtgewiesen..." Wobei jedoch dies meist auf einen Schutzinstinkt für einen inneren Zustand hinweist, und dieser innere Zustand muss dann angesprochen werden. Wie in diesem Beispiel, wo Joe ein vergangenes Erlebnis wiedererweckt, und in diesem Erlebnis dann der Schlüssel zur tiefgreifenden Heilung zu finden ist.
Mit guter detektivischer Arbeitsweise wird man das herausfinden.
Ich hoffe, das hilft!
Gary
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