Warum wir manchmal einfach nicht klopfen wollen
Übersetzt von Dorothee Geray.
Herzlichen Dank für die freundliche Abdruckgenehmigung!



Ist es Ihnen schon manchmal aufgefallen, dass wir unter bestimmten Umständen nicht klopfen AUCH WENN WIR EIGENTLICH WISSEN, DASS WIR ES TUN SOLLTEN? Dr. Catherine Saltzman, Autorin mehrerer Bücher und EFT Therapeutin mit vielen Jahren Erfahrung, präsentiert hier einen interessanten Einblick in dieses Thema und weist auf “Altersentsprechungen” als Grund dafür hin. Dieser Artikel wird Ihr Verständnis für dieses Phänomen erweitern und so Ihre Fähigkeiten mit EFT steigern.

Von Dr. Catherine Saltzmann, N.D.



Lieber Gary,

im Anschluss würde ich gerne eine Erfahrung teilen, die ich im Rahmen meiner professionellen Arbeit mit EFT gemacht habe.

Wie andere Therapeuten auch, erlebe auch ich Zeiten in denen ich mich in einem Zustand emotionaler Erregung befinde und unfähig oder unwillig bin, zu klopfen.

Auf der Grundlage einer anderen Technik, die ich vor Jahren im Zusammenhang mit Emotionaler Heilung angewendet habe, bin ich auf etwas gestoßen, was ich für einen Grund halte, der hinter dieser Verweigerungshaltung steckt. Ich nenne es „Altersentsprechungsstufen.“

Im Laufe unseres Lebens und in Erfüllung unserer verschiedenen Rollen, die wir darin spielen, erleben wir viele verschiedene Altersentsprechungsstufen. Altersentsprechung meint nichts anderes, als dass wir uns zu einer bestimmten Zeit emotional in einem bestimmten Alter bewegen. Eine niedrigere Altersentsprechungsstufe - also wenn unser Verstand durch einen unbewussten Prozess überstimmt wird - verändert unsere Wahrnehmung und unsere Perspektive wie auch unsere emotionalen Fähigkeiten und unsere Entscheidungsprozesse.

Die meisten Menschen gehen als Selbstverständlichkeit davon aus, dass sie immer im Rahmen ihrer tatsächlichen Altersstufe handeln. Wir denken, wir seien erwachsen und daher in der Lage, jede sich bietende Situation auf dieser Grundlage unserer Entwicklung zu behandeln. Aber wenn eine Frau im Alter von 5 Jahren eine traumatische Erfahrung gemacht hat - sagen wir einmal, in Bezug auf ihren Vater - wird sie in ihren Beziehungen zu ihm, ganz besonders in Situationen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der traumatischen Szene haben, automatisch wieder gefühlsmäßig so reagieren, als wäre sie 5 Jahre alt. Ihr Unterbewusstsein versucht noch immer, dieses Trauma zu bewältigen. Dasselbe kann ihr auch geschehen, wenn in einer späteren Paarbeziehung ähnliche Situationen auftauchen.

Wenn wir in unserer Elternrolle sind, mögen wir uns auf einer Altersentsprechungsstufe befinden, die unserem tatsächlichen Alter entspricht, aber als Partner in einer intimen Beziehung kann es sein, dass wir uns auf einer Entsprechungsstufe von 5 Jahren befinden, vor allem, wenn unser Partner Verhaltensweisen an den Tag legt, die irgendwie an frühkindliche Muster erinnern. Als Angestellte mögen wir uns in einer aktuellen Altersentsprechungsstufe befinden, aber als erwachsene Kinder unserer Eltern fühlen wir uns vielleicht auf in Entsprechungsstufe von 3 Jahren zurückversetzt, wenn wir von ihnen kritisiert werden.

Während wir so durchs Leben gehen, fühlen wir uns vielleicht als erwachsene Wesen, fähig und ganz unter Kontrolle, und von einem Moment auf den anderen können sich unsere Gefühle total verändern. Durch eine Situation, eine Bemerkung, ein Vorkommnis fühlen wir uns plötzlich der Situation nicht mehr gewachsen und hilflos ... oder wir reagieren über. Später, wenn wir uns an diese Situation erinnern, sind wir ratlos. Wir suchen nach Entschuldigungen. Das kann typischerweise geschehen, wenn wir mit unseren Eltern zusammen sind, auch wenn wir schon längst erwachsen sind. Eltern gelingt es immer wieder, Reaktionen heraufzubeschwören, von denen wir eigentlich dachten, wir seien für sie längst zu erwachsen oder die uns ärgern oder in Verlegenheit bringen. Dies passiert, weil wir plötzlich von unserer erwachsenen Altersentsprechung zu einer viel jüngeren Entsprechungsstufe wechseln.

In diesem veränderten und unreifen Stadium scheint das Konzept, gegen ein Problem anzuklopfen, unwichtig oder fremdartig. Dieser Mensch mit einer plötzlichen Altersentsprechungsstufe von 5 Jahren ist überhaupt nicht daran interessiert, zu klopfen. Er oder sie glaubt, das all das, was ihm geschieht, seinen Grund im Hier und Jetzt hat, auch wenn der Auslöser vielleicht 50 Jahre zurückliegt. Da ihm das Geschehen stets als REAL und damit nicht veränderbar erscheint, zieht das Kind ein Bekämpfen des Problems durch Klopfen nicht in Betracht. Normalerweise bearbeiten wir mit EFT all das, was uns nicht länger nützt und gut tut, natürlich, aber die Realität ist nun mal real und kann nicht einfach durch Klopfen zurechtgebogen werden ... das ist es zumindest, was wir denken.

Ein kleines Kind hat nicht viele Optionen offen. Das ist ein Bestandteil dessen, was Kindheit für so viele zum Alptraum werden lässt. Als Erwachsene haben wir Optionen und Auswahlmöglichkeiten, als Kind nicht. Und je jünger das Kind ist, umso geringer sind seine Optionen. Ein 4 jähriges Kind kann beispielsweise nicht zu seinem Vater sagen: „Wenn Du mich noch mal so berührst, hole ich die Polizei“. Oder zu seiner Mutter: „Ich hab mein Lieblingsspielzeug kaputtgemacht, und wenn du mir kein neues kaufst, gehe ich halt gleich in die Stadt und kaufe mir selber ein anderes“. Das Kind muss die Dinge so akzeptieren, wie sie eben sind.

Ich erfahre die Altersentsprechungsstufe meiner Klienten durch Ersatz-Muskeltests, die ich an mir selbst vornehme. Ein anderer Therapeut könnte es durch Intuition oder andere geeignete Mittel, mit denen er üblicherweise ermittelt, was er wissen muss, herausbekommen. Ich erkläre meinen Klienten, was Altersentsprechungsstufen sind und sensibilisiere sie für die Möglichkeit, dass es Momente geben kann, wenn sie alleine an ihren Problemen arbeiten und einfach keine Lust haben, gegen ein Problem zu klopfen. Dann mache ich sie darauf aufmerksam, dass sie sich möglicherweise emotional auf einer wesentlich tieferen Altersentsprechungsstufe befinden, auf der sie den Sinn des Klopfens einfach noch nicht erkennen können. Warum wegen etwas klopfen, das man - wenn auch irrig - für unabänderlich hält?

Ich bringe meine Klienten bei, typische Gefühle einer niedrigeren Altersentsprechungsstufe zu erkennen - Scham, Trauer, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Wut oder Trotz - und zu erkennen, dass sie sich vielleicht in diesem Zustand gegen das Klopfen wehren oder es gänzlich vergessen werden. Wenn sie sich daran gewöhnen, in einem emotionalen Ausnahmezustand erst einmal ihre Altersentsprechungsstufe einzu-schätzen, erinnern sie sich eher an das Klopfen und sind eher bereit, es auch dann zu tun, wenn sie eigentlich keine Lust dazu haben. Dann könnten sie sich z.B. sagen
„Auch wenn ich zur Zeit emotional gerade mal 5 Jahre alt bin, und ganz deutlich dieses Schamgefühl empfinde, liebe und akzeptiere ich mich und dieses 5 jährige Kind doch ganz und gar.“

Sobald wir uns der veränderten Altersentsprechungsstufe bewusst werden, haben wir unsere Wahrnehmungsebene verändert. Plötzlich können wir das Kind beobachten und wir verstehen, dass ein sehr kleines Kind unsere Sicht der Wirklichkeit kontrolliert. Daher können wir uns viel leichter davon überzeugen, doch zu klopfen.

Wir wissen alle, dass tiefe Traumata häufig ihre Wurzeln in unserer Kindheit haben, aber dieses Konzept der Altersentsprechungsstufen hat die Sache für mich und meine Klienten wirklich greifbar gemacht.

Ich hoffe, diese Erfahrung hilft jemandem weiter.

Mit meinen besten Grüssen,

Dr. Catherine Saltzman




Kein Pessimist hat je das Geheimnis der Sterne ergründet, ist in ein unbekanntes Land gesegelt oder hat einen neuen Weg zum menschlichen Geist gefunden.
Helen Keller

Zugriffe heute: 4 - gesamt: 237.